| |
Sicherheitszelle wie
in der Formel 1
Aktuelle DTM-Tourenwagen bieten ein Höchstmaß
an Sicherheit
Rüsselsheim. Das Reglement, die Rennautos, die Rennstrecke
- vieles hat sich verändert, wenn am ersten Mai-Wochenende die DTM
(Deutsche Tourenwagen Masters) erstmals seit 1994 wieder im belgischen
Zolder startet.
Ein Corso mit Tourenwagen aus der früheren DTM-Ära, darunter
ein Opel Omega 3000 Evo 500 und der Opel Calibra V6, wird allein optisch
die Unterschiede zu den heutigen DTM-Boliden wie dem Opel Astra V8 Coupé
verdeutlichen. Die Rennwagen sind nicht nur schneller geworden, sondern
vor allem sicherer. "Die DTM-Tourenwagen bieten ein Höchstmaß
an Sicherheit", sagt Opel-Werksfahrer Joachim Winkelhock. "Die Entwicklung
in diesem Bereich ist enorm."
Schon bei der Erarbeitung des technischen Reglements der 2000 wieder
eingeführten DTM wurde das Thema Sicherheit fest verankert und seitdem
stetig ausgebaut. "Elemente wie Gitterrohrrahmen, Kohlefaser-Monocoque
und Crashboxen bilden eine Einheit, deren maximale Belastungswerte genau
definiert sind und in Tests nachgewiesen werden müssen", erklärt
Opel-Sportchef Volker Strycek. "Die DTM-Fahrzeuge stellen den derzeit höchsten
Sicherheits-Standard dar."
Auf dem Prüfstand: Belastung mit acht
Tonnen
Der DTM-Pilot sitzt nicht in einem Rennsitz, der wie früher mit
dem Chassis verschraubt war, sondern in einer Sicherheitszelle, die von
der Basis einem Formel-1-Monocoque entspricht. Diese Kohlefaser-Zelle,
die intern als "Sitzkiste" bezeichnet wird, enthält die Sechspunkt-Sicherheitsgurte,
die eingeschäumte Sitzschale, die komplette Pedalerie und bei Opel
auch den Vorratsbehälter der Feuerlöschanlage. "Abmessungen,
Material und Belastungswerte sind genau vorgeschrieben", erklärt Dr.
Ulrich Pfisterer, DTM-Projektleiter des Opel Performance Centers (OPC).
Die mindestens 25 Kilogramm schwere Zelle muss in einem Prüfstandstest
nachweisen, dass sie eine Belastung von knapp acht Tonnen aushält
- und das über einen Zeitraum von 30 Sekunden. "Anfangs war es ungewohnt,
in einer solchen Kiste zu sitzen, aber ich möchte auf dieses Sicherheitselement
nicht mehr verzichten", so Michael Bartels (Opel Team Holzer).
Eine den Kopf seitlich umschließende Kopfstütze ist integraler
Bestandteil der Einheit aus Sicherheitszelle und Sitzschale. Eine Entwicklung,
die maßgeblich von Opel initiiert wurde. Durch die seitliche Ausweitung
der Kopfstütze entstand der Begriff des "Ohren-Sessels". Maximal 40
Zentimeter dürfen die beiden seitlichen Führungen auseinanderliegen,
und selbst die Kopfstütze muss eine Belastung von fast eineinhalb
Tonnen
aushalten können. Sowohl Kohlefaser-Zelle als auch der Rohrrahmen
müssen im Bereich des Fahrers mit
energieabsorbierendem Material gepolstert werden. Hierfür schreibt
das Reglement detailliert den Schaumstoff Neopolen von BASF vor.
Rahmen aus 85 Meter Stahlrohr
Die "Sitzkiste" ist mit dem Rohrrahmen fest verschraubt. Über 85
Meter Stahlrohr - präzise: Luftfahrt-Normstahl der Spezifikation 115
CrMo 14 - wurden für die Rahmenstruktur verarbeitet, nach intensiven
Berechnungen der Konstrukteure und klaren Vorgaben im Reglement. Schließlich
sorgt der
Rohrrahmen nicht nur für die Steifigkeit des Fahrzeugaufbaus und
beeinflusst damit die Fahreigenschaften des V8-Coupés, sondern ist
auch fester Bestandteil des Sicherheits-Konzeptes. Auch das imposante Rohrgebilde,
das mit dem Überrollbügel früherer Tage kaum etwas gemeinsam
hat, muss festgelegten
Belastungen widerstehen können. So muss der Rohrrahmen im Bereich
der B-Säule eine Vertikalkraft von bis zu neun Tonnen verkraften können,
wobei die Verformung der Überrollvorrichtung 25 Millimeter nicht überschreiten
darf.
Crashtests für Crashboxen
Während für die meisten Teile statische Belastungstests vorgeschrieben
sind, die ausschließlich unter Kontrolle des Deutschen Motor-Sport-Bundes
(DMSB) stattfinden, müssen die vorne und hinten angebrachten Crashboxen
sowohl statische als auch dynamische Tests absolvieren. Dazu werden die
aus Kohlefaser gefertigten Aufprallstrukturen, ähnlich den Knautschzonen
beim Serienauto, auf einem Schlitten montiert und damit der Aufprall eines
Fahrzeuges mit 46 km/h auf eine Betonwand simuliert. Die erlaubten Verzögerungswerte
mit durchschnittlich 40 g entsprechen in etwa denen eines Serienfahrzeuges.
Der Testaufbau wiegt insgesamt 1.200 Kilogramm und damit etwa soviel wie
das vollbetankte DTM-Fahrzeug.
HANS verbessert die Piloten-Sicherheit
Bereits im vergangenen Jahr setzte sich das HANS-System durch, das nunmehr
fester Bestandteil der Sicherheitsausrüstung ist. HANS steht für
"Head and Neck Support", also für Kopf- und Nacken-Schutz. Dabei handelt
es sich um eine aus Kohle- und Aramidfaser-Werkstoff bestehende Stützeinrichtung,
die auf der Schulter des Fahrers sitzt und von den Schultergurten auf den
Körper gedrückt wird. Am Fahrerhelm mit zwei flexiblen Anbindungen
befestigt, dient das in Amerika entwickelte HANS-System der besseren Stützung
der Halswirbelsäule und der Verringerung der biomechanischen Kopf-
und Nackenkräfte im Falle eines Aufpralles. "HANS ist eine exzellente
Erfindung, die sich bereits x-fach bewährt hat", ist Manuel Reuter
(Opel Team Phoenix) überzeugt. "Die Vorteile von HANS sind groß,
auch wenn das System die Bewegungsfreiheit und den Blick nach rechts und
links einschränkt", ergänzt Yves Olivier (Opel Euroteam).
In 3,9 Sekunden aus dem Cockpit
Trotz feuerfester Unterwäsche, Kopfhaube und Rennoverall, trotz
Feuerlöschanlage und Feuerschutzwand zwischen Motorraum und Cockpit
sowie Sicherheitstank kann die blitzschnelle Flucht aus dem Cockpit im
Unglücksfall von großer Bedeutung sein. Auch dies ist im DTM-Reglement
präzise definiert: In nur sieben Sekunden muss der Fahrer - vollständig
ausgerüstet und angeschnallt, bei aufgestecktem Lenkrad und geschlossenen
Türen - das Cockpit über die zu öffnende Fahrertür
verlassen können, in neun Sekunden über die Beifahrertür.
Beim DTM-Auftakt in Hockenheim mussten alle Piloten diesen Nachweis erbringen
- und die Opel-Piloten Michael Bartels, Alain Menu, Yves Olivier, Manuel
Reuter, Timo Scheider und Joachim Winkelhock bestanden diesen Test problemlos.
Der Schnellste war übrigens Timo Scheider, der Opel in Hockenheim
auch die ersten Meisterschaftspunkte der Saison bescherte: Der 23-Jährige
kletterte in nur 3,9 Sekunden aus dem
Cockpit.
Fakten & Stimmen
Deutsche Tourenwagen Masters, Zolder (B) · 03.-05. Mai 2002
Heimspiel für Yves Olivier
Zolder eine anspruchsvolle Strecke "Heimspiel ja, Heimvorteil nein",
sagt Yves Olivier (Opel Euroteam) mit Blick auf den zweiten DTM-Lauf am
ersten Mai-Wochenende im belgischen Zolder. Die persönliche "Zolder-Bilanz"
des 27-Jährigen aus Roeselare ist jedoch überwiegend positiv:
"Ob Formel Renault oder Formel 3, ich stand in Zolder fast immer auf dem
Podium, zuletzt 1998 beim 24-Stunden-Rennen."
Der werdende Vater beschreibt den ehemaligen Grand Prix-Kurs als sehr
anspruchsvoll. "Die Schikanen sind Schlüsselstellen, gute Bremsen
und optimale Traktion sind wichtig." Zolder gehörte schon von 1984
bis 1994 zum DTM-Kalender. Manuel Reuter (Opel Team Phoenix), der zuletzt
1997 mit dem Opel Vectra in Zolder startete, erinnert sich: "Die Rennen
in Zolder waren nie langweilig, schon die vergleichsweise enge Streckenführung
sorgt für viel Abwechslung. In weniger guter Erinnerung geblieben
ist mir mein erstes Formel-3-Rennen in Zolder, denn da habe ich mich im
Zeittraining überschlagen." Anders dagegen sein Teamkollege Joachim
Winkelhock, der in seinem Formel-3-Meisterjahr 1988 in Zolder Pole-Position
und Sieg
herausfuhr. "Dieser Kurs verlangt dem Auto und dem Fahrer alles ab."
Opel-Vorstand Klaudia Martini
Von Taxi-Fahrten im Renntempo beeindruckt Tief beeindruckt war Klaudia
Martini, Opel-Vorstandsmitglied für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit,
beim DTM-Auftakt in Hockenheim nicht nur von der Kulisse mit über
40.000 Zuschauern und der prächtigen Atmosphäre. Im Formel-3-Zweisitzer
ließ sie sich zunächst von Opel-Junior-Werksfahrer Frank Diefenbacher
im Renntempo um den Kurs chauffieren, anschließend stieg sie zu Timo
Scheider ins Opel-DTM-Renntaxi. "Das Erlebnis im Tourenwagen und im Formel-Auto
war sehr unterschiedlich, aber in jeder Beziehung eindrucksvoll", so Klaudia
Martini. Auch die Opel-Vorstände Dr. Uhland Burkart (Vertrieb und
Service), Alain Uyttenhoven (Markendirektor), Walter G. Borst (Finanzen)
und Ditmar Porth (Fertigung) verfolgten den DTM-Auftakt hautnah.
Timo Scheider wurde Fünfter in Hockenheim
|