Unten Le Mans 2003


Tom Kristensen siegte zum vierten Male in Folge – diesmal mit Bentley
Arnage, Mulsanne, Hunaudieres, Porsche Kurven…. Bei diesen Namen denkt der Rennsport Fan automatisch an eines der interessantesten Auto Rennen der Welt. An den Langstreckenklassiker in Le Mans. Le Mans dieser Name garantiert Spannung, Dramatik, Taktik und eine unbeschreibliche Atmosphäre. 
Die 71. Ausgabe des Rennens sollte all diese Erwartungen nicht enttäuschen. Was wurde im Vorfeld nicht alles spekuliert. Darf ein Audi gewinnen? Werden die beiden Bentleys ihrer aufgedrängten Favoriten Rolle gerecht? Wie lange halten die Panoz und hat die Chevrolet Corvette eine reelle Chance gegen den Ferrari 550 Maranello? Fragen über Fragen, und am Ende kam einiges anderes als von den selbst ernannten Experten gedacht.

Das eigentliche Rennen von Le Mans beginnt bereits am Montag und Dienstag mit der technischen Abnahme. Diese findet in Mitten des Herzens der Stadt statt und ist für die Rennsportfans aus aller Welt, die erste Chance einen Blick auf die Boliden zu werden. Wie nicht anders zu erwarten, haben alle Fahrzeuge ohne Probleme die erste Hürde des Rennens bestanden. Am Mittwoch und Donnerstag gingen die Fahrzeuge dann, das erste Mal nach den Le Mans Vortest im Mai, wieder auf die Strecke. 

Dort legten, wie nicht anders zu erwarten, die Bentley Speed 8 die Messlatte sehr hoch. Sie fuhren mit Zeiten von 3.32,843 Min (Kristensen/Capello/Smith) und 3.35,098 Min (Brabham/Herbert/Blundell) eindeutig die schnellsten Zeiten und sicherten sich damit die ersten beiden Startplätze, Dann folgte mit einer Zeit 3.35,745 Min. (Biela/McCarthy/Salo) erneut ein Fahrzeug des VAG Konzerns. Die Konzernpolitik ging auf. Man dominierte erneut beim wichtigste Langstrecken-Rennen der Saison. Stellt sich nur noch die Frage, welches Fahrzeug wird das Rennen für sich entscheiden? 

Am Samstag vor dem Warmup machte eine Hiobs Botschaft im Fahrerlager die Runde. Eines der Top Fahrzeuge, der von Campbell-Walter/ Kinch/Vosse pilotierte Lister Storm wird nicht beim Rennen teilnehmen können. Ein Trainingsunfall von Jamie Campbell-Walter machte ein Abtreten des Teams unmöglich. Der Wagen sei zwar reparabel, allerdings fehlten dem Team diverse Ersatzteile, um das Auto wieder Einsatzbereit zu machen. 

Um 16:00 Uhr war es dann soweit, dass Rennen wurde freigegeben. Vom Start an setzen sich, wie erwartet, die Bentley Speed 8 an die Spitze des Feldes und enteilten dem Rest eine Lektion. Best of the Rest war zu diesem Zeitpunkt, der durch Audi Sport Japan Team Goh eingesetzte private Audi R9, gefolgt von den anderen beiden privaten Audi R8. Um die folgenden Plätze entwickelte sich ein erbitterter Dreikampf, der bis in die Schlussphase andauerte. Lange hielt sich der Dome Judd von Jan Lammers, John Bosch und Andy Wallace auf dem fünften Platz und hielt den Anschluss an die Spitze. Doch dann machte ein Ausrutscher ins Kiesbett (Reifenschaden) das gutes Ergebnis zunichte. Den fünften Platz erbte somit Jeanette im Panoz. Der andere Panoz, mit Scott Maxwell, Benjamin Leuenberger und David Saelens am Steuer, hatte nicht so viel Glück. Benjamin Leuenberger musste bei seinem Sportwagen-Einstand den Panoz auf Grund eines Reifenschadens abstellen. Der Rennwagen schlug hart in die Mauer ein und war danach nicht mehr herzurichten. Die Plätze 8 und 9 gingen an die beiden Courage-Peugeot von der Le Mans Legende Henry Pescarolo, welcher sich eigentlich ein besseres Resultat für seine beiden Fahrzeuge erhofft hatte. Die Standfestigkeit der Prototypen machte in diesem Jahr auch den Fahrzeugen in den GT und GTS Klassen zuschaffen. Denn diese waren  in diesem Jahr im Gegensatz zu den letzten Jahren einfach Chancenlos.

Apropos Standfestigkeit, genau diese machte in diesem Jahr dem Audi R8 von Audi Sport UK zu schaffen. Nach etwa zwei Stunden war für die Mannschaft aus England das Rennen bereits zu Ende. Frank Biela rollte im Bereich der Mulsanne (Streckenpostens 106) ohne Sprit aus. Der Audi R8 lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz vier und hatte eine echte Chance auf eine Podiumsplatzierung. „Ich sollte und wollte in Runde 28 an die Box kommen, aber dann folgten einige Funksprüche mit der Box. Wir diskutierten eine Weile per Funk, ob ich noch einen dritten Stint fahre könnte und wie gut die Reifen noch seien. Der Funk setzte öfters mal aus und die Boxentafel war sehr klein. Deswegen zog sich alles etwas in die Länge. Als wir  dann endlich mit dem Funken zu Ende waren, lief ich auf einen Panoz auf. Da war ich schon auf 180, denn dieser hatte mit zuvor schon die Türe zugemacht. Und somit war mir der Zugang zur Boxengasse verwehrt. Ich musste noch eine Runde länger draußen bleiben. Ich habe das Tempo verringert und versucht den R8 eine weitere Runde am laufen zulassen. Aber dies ging nicht gut. In Höhe der Mulsanne fing der R8 an zu stottern. Mit Hilfe des Anlassers versuchte ich noch die Runde zu beenden. Dies ging leider nur 600 m gut. Dann war mein Rennen auch schon zu Ende. Aber letztlich geht der Ausfall auf meine Schulter. Im Audi R8 haben wir eine Anzeige, die uns zeigt, in welcher Runde du an die Box kommen musst. Als die Leuchte anging habe ich sofort auf Reserve umgestellt. Es hat nicht mehr gereicht. Da kamen 1000 blöde Dinge auf einmal zusammen. Es tut mir Leid für das Team. Ich bin unendlich traurig.“

Somit  zogen die beiden Bentleys einsam weiter ihre Kreise und machten den Sieg ungefährdet untereinander aus. Am Sonntag um 16:00 Uhr war die 71. Auflage des 24 h Rennen beendet. Bentley belegte die Plätze Eins und Zwei. Auf Position Drei folgte der private Audi R8 des Champion Teams (USA). Rinaldo Capello holte seinen ersten Le Mans Sieg und Tom Kristensen ist mit seinem fünften Le Mans Sieg in die Geschichte eingegangen. Denn er ist nun er erste Fahrer, dem es gelungen ist an der Sahrte vier Mal hintereinander zu gewinnen. Well done Tom! Nun beginnt das Warten auf das nächste Jahr. Das Spekulieren kann beginnen.
 

Ergebnis

1. Kristensen/Capello/Smith (Bentley) 377 Runden 
2. Brabham/Herbert/Blundell (Bentley) 3 Rd. zur. 
3. Johansson/Lehto/Pirro (Audi R8) 5 Rd. zur. 
4. Ara/Magnussen/Werner (Audi R8) 7 Rd. zur. 
5. Beretta/Jeannette/Papis (Panoz) 17 Rd. zur. 
6. Lammers/Bosch/Wallace (Dome-Judd) 17 Rd. zur. 
7. Cochet/Gounon/Gregoire (Courage-Judd) 17 Rd. zur. 
8. Boullion/Lagorce/Sarrazin (Courage-Peugeot) 21 Rd. zur. 
9. Helary/Ayari/Minassian (Courage-Peugeot) 25 Rd. zur. 
10. Kox/Enge/Davies (Ferrari) 41 Rd. zur. 

Weitere Ergebnisse finden Sie unter: www.lemans.org

Text: Fabian-P. Wiedl
 

 
   

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© copyright by Redaktionsbüro Kebschull   26.06. 2003