| Audi Pilot Tom Kristensen siegt in Road Atlanta und ist neuer Champion
der ALMS
Der
neue Champion der American Le Mans-Serie (ALMS) heißt Tom Kristensen.
Nachdem bereits vor dem Finale in Road Atlanta nur noch Audi Piloten für
den Fahrertitel in Frage kamen, gewann der 35 Jahre alte Däne gemeinsam
mit seinem Partner Rinaldo Capello den Klassiker „Petit Le Mans“, holte
sich den Titel und tritt damit die Nachfolge von Allan McNish und Emanuele
Pirro an. Das Schwesterauto mit Frank Biela und Emanuele Pirro fiel nach
einer Kollision und anschließender Reparatur weit zurück und
kämpfte sich noch auf den sechsten Platz nach vorne.
Das Rennen über 1000 Meilen im US-Bundesstaat Georgia bot alles,
was zu einem echten Motorsport-Klassiker gehört: Zahlreiche Safety-Car-Phasen
führten das 50 Wagen starke Feld immer wieder zusammen, der Kampf
der Sportprototypen beim Überrunden der langsameren Fahrzeuge auf
dem 4,088 Kilometer langen Kurs sorgte für zusätzliche Brisanz.
Rinaldo Capello und Tom Kristensen hielten sich während der gesamten
Renndauer von 9:27 Stunden aus allen Reibereien heraus, wählten bei
ihren Boxenstopps die richtige Taktik und siegten schließlich mit
einem Vorsprung von 59,972 Sekunden vor dem Vorjahres-R8 des Champion-Teams.
Weniger Glück hatten Frank Biela, der noch mit echten Titelchancen
ins Finale gegangen war, und sein Partner Emanuele Pirro. In der 150. von
insgesamt 394 Rennrunden konnte der Italiener eine Kollision mit einem
anderen Fahrzeug nicht vermeiden, dessen Motor Feuer gefangen hatte und
deshalb abrupt abbremste. In Rekordzeit wechselte das Team Audi Sport North
America die linke Vorderradaufhängung sowie die Frontplatte und schickte
den Infineon Audi R8 nach gut 26 Minuten zurück auf die Strecke. Obwohl
das Thema Meisterschaft damit erledigt war, fuhr das deutsch-italienische
Duo mit einer starken Aufholjagd noch auf den sechsten Platz.
Nach Platz drei beim „Petit Le Mans“ 2001 kämpfte das Champion-Team
in diesem Jahr bis zur Ziellinie um den Sieg. Noch in der letzten Rennstunde
trennten die beiden Führenden nur wenige Sekunden, erst nach den letzten
Boxenstopps war klar, dass sich Johnny Herbert und Stefan Johansson mit
dem zweiten Rang begnügen mussten. Herbert belegt damit in der Fahrermeisterschaft
hinter den Audi Werksfahrern Tom Kristensen, Rinaldo Capello, Frank Biela
und Emanuele Pirro den fünften Platz.
Mit dem Sieg in Road Atlanta geht für Audi eines der erfolgreichsten
Jahre in der Motorsport-Geschichte des Unternehmens zu Ende. Schon zum
dritten Mal in Folge holt das Team Audi Sport North America die Titel in
der Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung der American Le Mans-Serie. In
dieser Saison starteten die Audi Piloten bei jedem Rennen von der Pole
Position und siegten bei acht von insgesamt zehn Läufen. Höhepunkt
des Jahres 2002 bleibt der Dreifachsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans,
das Audi nunmehr dreimal in Folge mit der selben Fahrerbesetzung gewann.
Stimmen nach dem Rennen
Rinaldo Capello (Infineon Audi R8 #2): „Zunächst einmal Gratulation
an Tom, ich freue mich mit ihm über den Titel. Ich glaube, ich bin
heute ein sehr gutes Rennen gefahren. Als ich das Auto von Tom übernommen
habe, lagen wir auf der fünften Position, haben es aber doch noch
zum Sieg geschafft. Für mich ist das ein schöner Abschluss einer
weiteren tollen Saison mit Audi. Das Rennen widme ich unserem Teamkoordinator,
der nach der Saison in den Ruhestand geht. Dieser Sieg ist für Jürgen
Däwel. “
Tom Kristensen (Infineon Audi R8 #2): „Ich bin sehr glücklich über
meinen Titel, der aber Dindo genauso gehört wir mir. Einmal mehr hat
er heute mit einer fantastischen Leistung unseren Sieg überhaupt erst
möglich gemacht. Ich danke jedem bei Audi für die Chance, dass
ich mit diesem unglaublichen Auto Le Mans und die American Le Mans-Serie
gewinnen durfte.“
Frank Biela (Infineon Audi R8 #1): „Natürlich war das Rennen nach
unserer langen Reparaturpause hart, denn wir wussten, dass die Meisterschaft
für uns jetzt endgültig gelaufen ist. Aber zumindest haben wir
alles versucht und sind das nötige Risiko im Kampf um den Titel eingegangen.
Auch ohne ALMS-Pokal hatten wir ein tolles Jahr: Wir haben Le Mans und
ein paar Rennen in Nordamerika gewonnen und bis zum Finale um die Meisterschaft
gekämpft.“
Emanuele Pirro (Infineon Audi R8 #1): „Natürlich möchte man
immer das Rennen oder den Titel gewinnen. Aber heute bin ich trotzdem glücklich
mit unserer Saison, denn ich glaube, wir können sehr stolz auf unsere
Leistung sein: Wir haben achtmal die Pole Position geholt und drei Rennen
gewonnen. Im vergangenen Jahr hatten wir viel Glück, in diesem Jahr
etwas weniger.“
Johnny Herbert (ADT Champion Audi R8 #38): „Wir hatten gleich zweimal
unglaubliches Pech mit den Gelbphasen: Nachdem wir gerade einen regulären
Boxenstopp absolviert hatten, nutzte der Audi mit der Startnummer zwei
die Safety-Car-Phasen aus und verlor so weniger Zeit. Stefan und ich hatten
fast das ganze Rennen über spannende Duelle mit Dindo und Tom. Schade,
dass wir heute nicht gewonnen haben.“
Stefan Johansson (ADT Champion Audi R8 #38): „Normalerweise wäre
ich mit einem zweiten Platz zufrieden – heute aber nicht. Es tut mir leid
für das Champion-Team, das nach so vielen zweiten Plätzen in
dieser Saison einen Sieg verdient gehabt hätte. Ich habe Dindos Führung
von einer Minute auf unter 30 Sekunden reduzieren können, bevor ich
kurz vor Schluss noch einmal an die Box musste. Das einzige, was wir heute
an unserem Auto tauschen mussten, war eine beschädigte Fronthaube
– abgesehen davon lief unser R8 wie ein Uhrwerk.“
Ralf Jüttner, Technischer Direktor Team Audi Sport North America:
„Der heutige Tag war an Spannung kaum zu überbieten. Wir haben uns
einen harten Kampf mit Champion geliefert. Eigentlich hätte ich Champion
den Sieg gegönnt, aber ich freue mich natürlich mehr darüber,
dass wir die Saison mit einem Erfolg abgeschlossen haben. Frank und Emanuele
hatten ziemlich viel Pech, haben sich aber auf den sechsten Platz vorgekämpft
und damit die Plätze drei und vier in der Fahrerwertung vor Johnny
Herbert gesichert. Zum Ende des Rennens haben wir alles richtig gemacht,
beide Autos sind mit einem ziemlich trockenen Tank ins Ziel gekommen. Jeder
einzelne in unserer Truppe hat das ganze Jahr über einen Riesen-Job
gemacht. So viele Siege und Titel, wie in diesen drei Jahren haben wir
noch nie gewonnen.“
Dr. Wolfgang Ullrich, Audi Sportchef: „Das Rennen war extrem spannend.
Frank und Emanuele hatten heute sehr viel Pech – für sie war das Rennen
eigentlich schon zur Halbzeit gelaufen. Dindo und Tom haben einen sauberen
Job abgeliefert. Gratulation an die beiden. Ich bin stolz auf das, was
wir erreicht haben: dreimal Le Mans gewonnen, dreimal Sebring gewonnen,
dreimal Road Atlanta gewonnen und auch dreimal in Folge die American Le
Mans-Serie gewonnen. Ich glaube, das hat noch niemand geschafft. Ich bin
sehr stolz auf unsere Mannschaft.“
Ergebnisse
1. Capello/Kristensen (Infineon Audi R8) 394 Runden
2. Herbert/Johansson (Audi R8)
+ 59,972 Sek.
3. Angelelli/Lehto/Tinseau (Cadillac) 4 Rd. zur.
4. Bernard/Collard/Taylor (Cadillac) 5 Rd. zur.
5. Auberlen/Herta/Jeannette (Panoz) 14 Rd. zur.
6. Biela/Pirro (Infineon Audi R8) 18 Rd. zur.
7. Brabham/Magnussen/Donohue (Panoz) 22 Rd. zur.
8. Field/Dayton/Duran (MG Lola) 28 Rd. zur.
9. Fellows/O’Connell/Gavin (Chevrolet) 32 Rd. zur.
10. Enge/Kox/Menu (Ferrari) 33 Rd. zur.
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