ALMS Laguna-Seca
Von Fabian-P. Wiedl
Am Wochenende fand in Laguna-Seca der drittletzte ALMS Lauf
der Saison 2003 statt. Und auch in diesem Jahr reisten die Audi Kundenteams
als Favoriten nach Kalifornien. Denn seit dem Jahr 2000 geht ein Sieg in
Laguna-Seca nur über den Audi R8. Aber der Reihe nach.
In den ersten Trainingssitzungen am Freitag und am Samstag dominierten
wie erwartet der vom Infineon Team Joest eingesetzte Audi R8 sowie der
Audi R8 vom Team Champion. Einzig der MG Lola EX257 vom Dyson Racing Team
konnte in die Phalanx der Audi R8 eindringen.
Im Qualifying sollte sich das Blatt allerdings teilweise wenden. Frank
Biela entfachte in der Anfangsphase Qualifying ein Feuerwerk und holte
sich mit einer Zeit von 1:16:224 Minuten die zwischenzeitliche Bestzeit
und setzte sich mit 0,618 Sekunden Vorsprung vor Johnny im Champion R8.
Nach sieben Minuten musste das Qualifying unterbrochen werden, da Benjamin
Leuenberger seinen Panoz in der berühmten Cork Screw Kurve rückwärts
gegen die Wand setzte. Nachdem der Panoz geborgen wurde, wurde das Qualifying
für 5 Minuten fortgesetzt. Eine Hatz auf die Bestzeit von Frank Biela
hat begonnen. James Weaver erwischte im Verkehr eine gute Runde und schaffte
es sich zwischen die Audi R8 zu schieben. James Weaver hatte auf die Zeit
von Frank Biela 0,331 Sec Rückstand. Somit holte sich Frank Biela
seine erste richtige Pole Position in der Saison 2003. Denn beim Saison
Auftakt in Sebring rückte der Joest Audi durch das zurücksetzten
der Bentleys auf P1 und in Sears Point holte Biela zwar die Pole Position
in der LMP900 Klasse, allerdings setzte sich in der Gesamtstartaufstellung
der Lola EX257 (Klasse LMP675) vom Dyson Racing Team vor den Joest Audi.
Dementsprechend glücklich war Frank Biela nach der Pole Position:
„Über die Pole Position freue ich mich sehr. Am Freitag bin ich
eine 1.16,6 gefahren. Nach den freien Trainingssitzungen, die langsamer
waren, war ich mir nicht sicher, ob das heute noch einmal geht. Doch im
Qualifying ging es dann sogar noch schneller. Ich denke, dass wir auch
ein sehr gutes Auto für das Rennen haben, denn wir waren im Training
oft mit relativ viel Benzin unterwegs“
Das Rennen, welches um 21:00 MEZ gestartet wurde, begann gleich sehr
turbolent. Frank Biela konnte seinen Start Position verteidigen. Dahinter
machte Johnny Herbert einen Platz gut, in dem er gekonnt James Weaver überholte.
Der Champion Pilot lieferte sich in den folgenden Runden ein spannendes
Duell mit dem Lola Piloten. In Runde 12 musste Herbert dem Lola Piloten
vorbeiziehen lassen, da sich im Cockpit des Audi R8 eine Sicherung löste.
Nachdem er die Sicherung wieder reindrückten konnte, fand sich der
Champion Pilot auf P3 wieder. Johnny Herbert schildert den Vorfall wie
folgt: „Ich habe den zweiten Platz verloren, als eine Sicherung heraussprang
– offenbar die Folge unseres Problems im Warm-up am Morgen. Ich konnte
die Sicherungsbox nicht sehen und musste sie im Cockpit ertasten, um die
Sicherung wieder reinzudrücken. Als ich es geschafft hatte, war ich
nur noch Dritter“. Allerdings sollte es diesmal noch schlimmer für
die Champion Truppe kommen. Nach ca. einer Stunde fing das Getriebe an
zu stottern. Johnny Herbert hörte im Cockpit komische Geräusche
und informierte via Funk die Box. Dort wurde entschieden das Getriebe zu
wechseln.
In Runde 39 kam Herbert an die Box. Die Champion Crew wechselte in acht
Minuten das Getriebe des Audi R8 und J.J. Lehto ging mit sieben Runden
Rückstand auf Biela zurück auf die Strecke. Dort fand er sich
auf P24 wieder. Die Joest Truppe macht in Runde 50 einen Full-Service (Fahrer
/ Reifenwechsel, und Tanken). Nach dem Boxenstop kam Marco Werner als zweiter
auf die Strecke. Allerdings holte er sich in Runde 55 die Führung
wieder, da James Weaver zum tanken an die Box fährt. Der Joest R8
läut zu diesem Zeitpunkt wie ein Uhrwerk. Im Gegensatz zum Champion
R8. Dieser hat nach dem Getriebewechsel und den damit verbunden Boxenstopp
Probleme im Verkehr und kämpf sich mühselig nach vorne. Werner
kommt in Runde 76 zum planmäßigen Boxenstopp und tankt nach.
Er kann seine Führung behalten und nimmt dieser auch mit ins
Ziel. J.J. Lehto kommt elf Runden später an die Box und holt sich
neue Vorderreifen. Mit schnellen Runden und etwas mehr Glück im Verkehr
arbeitet sich der Finne noch auf P4 vor. In der LMP900 Klasse erreichte
der Champion R8 noch P3.
In der GTS Klasse waren die Prodrive-Ferrari 550 Maranello von Peter
Kox / Tomas Enge und David Brabham / Jan Magnussen , das Maß der
Dinge. Die Ferrari Piloten lieferten sich einen Klasse Kampf. Dieser wurde
erst kurz vor Schluss entgültig entschieden, als Jan Magnussen mit
einem GT Renner kollidierte. Nach Rennende wurden die Prodrive Ferrari
noch aus der Wertung genommen, da die Fahrzeuge nicht regelkonform (es
gab Probleme mit den Air-Restriktoren) waren.
In der GT Klasse gelang Lucas Luhr und Sascha Maassen ein weiterer Sieg,
Durch diese Sieg sicherten sich die Porsche Piloten vorzeitig die Titelverteidigung.
Ralf Kelleners fuhr im Ferrari 360 Modena auf P2 der GT Wertung. Timo Bernhard
und Jörg Bergmeister hatten in der Anfangsphase des Rennens Probleme
und kamen somit nicht über P9 hinaus.
Mit dem vierten Erfolg in Folge in Laguna Seca bescherte das Infineon
Team Joest Audi vorzeitig den neuerlichen Gewinn der ALMS-Hersteller-Meisterschaft.
"An diesem Wochenende hat sich die Routine unserer Mannschaft ausgezahlt",
erklärte Teamdirektor Reinhold Joest. "Die ganze Mannschaft kann stolz
sein, Audi zur erfolgreichen Titelverteidigung verholfen zu haben. Jetzt
wollen wir natürlich auch noch die Fahrer- und Teamwertung gewinnen."
In der Fahrerwertung haben die Joest Piloten Frank Biela und Marco Werner
vor den letzten beiden Rennen in Miami (27. September) und Road Atlanta
(18. Oktober) 18 Punkte Vorsprung. In der Teamwertung liegt die Joest Mannschaft
ebenfalls 18 Punkte vorne.
Stimmen zum Rennen
Frank Biela: "Das war ein perfektes Wochenende. Dank des Vorsprungs,
den wir nun haben, sieht es in der Meisterschaft ganz gut für uns
aus. Wir hatten hier von Anfang an ein super Auto. Das Rennen lief perfekt.
Es war ein sehr schönes Gefühl, das Tempo bestimmen zu können.
Der Abstand zu den Verfolgern wurde immer größer, ehe sie Probleme
bekamen. Das war schade, denn dadurch war die Luft aus dem Rennen. Aber
natürlich ist es nicht ganz unangenehm, wenn der Druck von hinten
plötzlich weg ist."
Marco Werner: "Für mich war es ein ganz neues Gefühl, ganz
ohne Druck zu fahren. Die Konzentration zu halten, ist in so einem Fall
sehr schwierig. Insofern war das Rennen gar nicht so einfach. Den Grundstein
zum Sieg hat Frank an diesem Wochenende bereits im Training gelegt. Er
ist ein super Qualifying gefahren und war auch im Rennen stark. Wir haben
nicht nur gewonnen, weil sich die anderen irgendwann selbst erledigt haben.
Wir waren hier einfach schneller. Mit Blickrichtung Meisterschaft war dieser
Sieg sehr wichtig für uns. Wir können es nun etwas gelassener
angehen, obwohl wir auch die letzten beiden Rennen gewinnen möchten."
Ralf Jüttner (Technischer Direktor): "Der Sieg war ein schöner
Abschluss für ein rundum gelungenes Wochenende, das wir von Anfang
an dominiert haben. Nach dem Training wäre alles andere als ein Sieg
eine Enttäuschung gewesen. Die Fahrer waren fehlerfrei unterwegs,
das Auto hat keine Mucken gemacht und die Mannschaft wie immer perfekt
gearbeitet. Wir haben unser Ziel erreicht und die Scharte von Road America
ausgewetzt. Nun haben wir wieder dasselbe schöne Punktepolster wie
vor dem Rennen in Road America."
Quelle:
Archiv F. Wiedl
www.joest-racing.de
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