| Von Fabian-P. Wiedl
Das Wetter, die CART Serie und ein Feuerlöscher
Obwohl in der ALMS die beiden Audi R8 vom Infineon Team Joest und vom
Team ADT Champion Racing von Sieg zu Sieg eilen, bleibt die ALMS spannend
wie selten zuvor. Insgesamt können noch drei Fahrer (Biela / Werner
/ Lehto) den Fahrertitel gewinnen. Johnny Herbert hat keine Chance mehr
den Titel für sich zu erringen, da er beim Saisonauftakt in Sebring
für Bentley an den Start und somit Punkte auf seinen Teamkollegen
J.J. Lehto einbüsste.
Wechselhaftes Wetter sorgte während des gesamten Wochenendes für
hektisches Arbeiten in den Boxen. Die ersten Trainingssitzungen, fanden
unter nasser Strecke statt. Zum Qualifying am Freitag hatte es aufhört
zu regnen und die Strecke trocknete leicht ab. Die Trainingssitzungen wurden
von den Audi Piloten dominiert. Es zeichnete sich früh ab, dass der
Gesamtsieg in Miami nur über die Audi R8 geht.
Zu Beginn des Qualifying setzte sich Marco Werner im Joest R8 an die
Spitze und lange sah es so aus, als könnte sich das Joest Team erneut
die Pole Position sichern. Aber es sollte nicht sein. Marco Werner musste
seine letzte Qualifying Runde abbrechen, da direkt vor ihm ein Unfall passierte
und die Rennleitung die Rote Flagge zeigte. J.J. Lehto im Champion R8 konnte
seine Quali-Runde zu Ende fahren und setzte sich im letzten Moment mit
nur 0,039 Sekunden Vorsprung vor den Joest Piloten. Marco Werner nahm es
gelassen: „Glückwunsch an JJ, der mir im letzten Moment die Pole weggeschnappt
hat. Bis zur ersten roten Flagge lief alles perfekt, ich lag klar vor JJ.
Nach der Pause kam der zweite Satz Reifen nicht so schnell auf Temperatur
wie der erste. Außerdem hatte ich etwas Pech im Verkehr, ich hatte
keine freie Runde. Schließlich geschah direkt vor mir der Unfall,
der zum endgültigen Abbruch führte. Zum Glück habe ich ihn
erahnt und bin rechtzeitig vom Gas gegangen.“ J.J. Lehto holte mit seiner
Fabelrunde beim Heimrennen Champion die erste Pole Position für das
Team rund um Teambesitzer Dave Maraj. "Ich freue mich, dass es mir gelungen
ist, beim Heimspiel meines Teams den ersten Startplatz zu holen, freute
sich J.J. Lehto nach dem Qualifying.
Das Rennen in Miami wurde ausnahmsweise schon am Samstag gestartet,
da am Sonntag die ChampCars über die Strecke von Miami fahren. Genau
wie im Jahr zu vor finden beide Rennen (CART / ALMS) an einem Wochenende
statt. Für die Fans ist dies das Highlight des Jahres. Beide Rennserien
erfreuen sich in den USA einer großen Beliebtheit.
Zum Rennstart am Samstag hatte Petrus sich von seiner Besten Seite gezeigt.
Das 2:45 Stunden in den Straßen von Miami wurde unter enormer Hitze
gestartet und endete allerdings im Regen. Die von P1 und P2 gestarteten
Audi R8 lieferten sich in den ersten Runden ein spannendes Rennen und konnten
sich sehr schnell und sehr deutlich vom Rest des Feldes absetzen. Die Lola
aus der LMP675 Klasse waren bei diesen ALMS Lauf ohne Chance auf den Gesamtsieg.
Die Audi R8 waren zu überlegen. J.J. Lehto schilderte die Startphase
des Rennens wie folgt:“ Besonders die Anfangsphase des Rennens war hart.
Überall waren Autos, es war schwer zu fahren.“ Der dichte Verkehr
während des Rennens machte einigen Piloten arg zu schaffen. Insgesamt
musste das Safety Car fünfmal auf die enge Strecke gehen, dabei wurden
35 der insgesamt 157 Runden wurden hinter dem Safety Car absolviert. Dieses
sorgte auch für die Vorentscheidung im Rennen. Da das Team Infineon
Joest in Hinblick auf die Meisterschaft eine eher konservativen Strategie
ins Rennen ging und erst zur Rennhälfte stoppte, setze das Champion
Team auf „Alles oder Nichts“ und absolvierte nach ca. 45 Minuten während
einer Gelbphase den ersten Boxenstopp samt „Full – Service“ (Fahrerwechsel,
Tankstopp, Reifenwechsel). Wahrend des Boxenstopps fing der Audi R8 kurz
Feuer. „Ich habe das Benzin an J.J.`s Bein gesehen und dann nur noch Löschschaum“
so Johnny Herbert. Herbert, welcher den Audi R8 von J.J. Lehto übernommen
hat, findet sich nach dem Stopp an Dritter Position wieder und kämpfte
sich wieder durchs Feld.
Das Joest Team hatte weniger Glück mit seinem Boxenstopp. Marco
Werner übergab in Runde 80 an Frank Biela und in den Runden 84 und
91 kam das Safety Car auf die Strecke. Der Neusser Frank Biela musste sich
durch den Verkehr kämpfen und verlor somit sehr viel Zeit auf den
Champion R8. In Runde 154 setzte Regen ein, aber keines der Teams wechselte
auf Regenreifen, da der Regen nichts sehr stark war. Drei Runden später
war das Rennen zu Ende. Es siegte der Champion R8 vor dem Infineon Joest
R8 und dem Panoz mit Beretta / Saelens am Steuer. Für die Champion
Mannschaft aus Florida ist dies der Dritte ALMS Sieg.
Kurz nach Rennende erlebte Johnny Herbert noch mal eine Schrecksekunde.
„Irgendwie habe ich es am diesem Wochenende mit dem Feuerlöscher.
Als ich nach der Zieldurchfahrt den Motor abstellen wollte habe ich versehentlich
den Schalter für den Bordfeuerlöscher erwischt und auf einmal
war das ganze Cockpit voller Schaum. Zum Glück wurde ich bei beiden
Zwischenfällen nicht verletzt“.
Den Sieg in der GTS Klasse holten sich Brabham / Turner, vor Kox / Enge
und Schiattarella / Naspetti. Alle Piloten waren im Ferrari 550 Maranello
unterwegs,
In der GT Klasse machte sich Sascha Maassen mit einem Glücks Sieg
ein Geburtstagsgeschenk. Bis 3 Runden vor Schluss führte die Porsche
Markenkollegen Bernhard / Bergmeister. Allerdings knallte Bergmeister kurz
vor Rennende mit dem Porsche 911 GT3 in die Mauer und verschenkte einen
möglichen Sieg. Sascha Maasen und Lucas Luhr nahmen das Geschenk dankend
an. Bernhard / Bergmeister wurden noch auf dem sechsten Rang der GT Klasse
gewertet. Position Zwei ging an das Fahrerpaar Ralf Kelleners / Anthony
Lazarroh im Ferrari 360 Modena.
Die Fahrermeisterschaft wird so mit beim letzten Saisonlauf in Raod
Atlanta entschieden. Dieser findet am 18.10.2003 statt. Frank Biela und
Marco Werner haben 14 Punkte Vorsprung auf J.J. Lehto. Johnny Herbert liegt
17 Punkte zurück.
Ergebnisse:
1. Herbert/Lehto (Audi R8) 157 Runden in 2:42.06,617 Std.
2. Biela/Werner (Audi R8) + 40,642 Sek.
3. Beretta/Saelens (Panoz) 2 Rd. zur.
4. Brabham/Turner (Ferrari) 3 Rd. zur.
5. Kox/Enge (Ferrari) 3 Rd. zur.
Stimmen nach dem Rennen:
Johnny Herbert (Team ADT Champion Racing Audi R8 #38): „Das war ein
großartiger Sieg für das Champion Team. Es ist toll, dass wir
Dave Maraj einen Heimsieg bescheren konnten. Ich freue mich auch für
das ganze Team, das sehr hart arbeitet. Schon im letzten Jahr gab es hier
im Rennen viele Gelbphasen. Wir sind davon ausgegangen, dass es auch diesmal
so sein würde und haben unsere Strategie darauf ausgerichtet. Wir
hatten das Glück, dass diese Gelbphasen tatsächlich kamen. Das
hat uns geholfen, aber es war sogar nach der Zieldurchfahrt noch genügend
Benzin im Tank.“
Frank Biela (Infineon Team Joest Audi R8 #1): „Ganz zufrieden bin ich
mit dem Rennen nicht. Mit Blick auf die Meisterschaft hatten wir aber keine
andere Wahl. Wir durften uns hier einfach keinen Ausfall erlauben. Es war
wichtig für uns, anzukommen. Das ist uns gelungen und damit haben
wir einen weiteren großen Schritt in Richtung Meisterschaft gemacht.
Das Champion Team war hier sehr stark. Um sie zu schlagen, hatten wir heute
einfach zu sehr die Meisterschaft im Hinterkopf.“
Dr. Wolfgang Ullrich (Audi Sportchef): „Glückwunsch an das Champion
Team, das heute schneller war und den Sieg verdient hat. Champion hat viel
riskiert und bis zum Schluss gezittert, ob das Benzin reicht. Aber das
Risiko hat sich ausgezahlt. Die vielen Gelbphasen haben Champion sicherlich
geholfen, aber Johnny (Herbert) und JJ (Lehto) sind auch stark gefahren.
Frank (Biela) und Marco (Werner) haben heute mehr an die Meisterschaft
gedacht.“
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