Unten ALMS

Rennen 
Von Fabian-P. Wiedl

Das Finale in Road Atlanta

Die Würfel sind gefallen. Die ALMS Saison 2003 ist zu Ende. Auch wenn Anfang der Saison einige Hersteller der ALMS den Rücken gekehrt haben, war diese Saison spannend wie nie zuvor. Den vermeintlichen Siegkandidaten Nummer 1, die privat eingesetzten Audi R8 vom „Infineon Team Joest“ und „Team ADT Champion Racing“ hatten mit den beiden Lola EX257 einen starken Gegner gefunden. Das “Infineon Team Joest“ hat die Reise nach Braselton im Bundesstaat Georgia mit 14 Punkten Vorsprung angetreten. Somit reicht dem Team um Reinhold Joest und den beiden Fahrern Frank Biela / Marco Werner das erreichen der 70 % Marke um den ALMS Meistertitel einzufahren.

Die Trainingszeiten am Mittwoch und Donnerstag dominierte das Champion Team jeweils knapp gefolgt von den Lolas bzw. dem Joest Audi R8. Aber am Freitag legte Marco Werner die Messlatte für die Pole was höher. Unter schwierigen Pistenbedingungen distanzierte der Deutsche den Rest des Feldes um mehr als sieben Zehntelsekunden. Nach einem Regenschauer trocknete die Strecke in Road Atlanta während des 20-minütigen Qualifyings nur langsam ab. Nachdem Werner gleich zu Beginn mit Intermediate-Reifen eine klare Bestzeit erzielt hatte, entschied sich die Joest Mannschaft zu einem frühen Wechsel auf Slicks. Das Timing war perfekt: Auf der teilweise noch feuchten Strecke fuhr Werner eine Bestzeit nach der anderen und holte souverän seine dritte Pole Position in der ALMS. Den anderen Teams blieb mit dieser Glanzleistung nur noch das nachsehen. Marco Werner kommentierte seine neuerlich Pole wie folgt: "Danke an das Joest Team, das wieder einmal super gearbeitet hat. Wir waren hier mit unserem Auto am Anfang alles andere als zufrieden, haben uns aber von Training zu Training gesteigert. Im Qualifying war das Auto perfekt. Sicherlich kamen mir auch der Regen entgegen. Es war nur eine schmale Spur trocken, die man nutzen musste. Ich mag eben schwierige Bedingungen." 

Auch der Technische Direktor des Joest Teams konnte die Freude über die Pole Position nicht verbergen: „Das ist eine der schönsten Pole Positions-, die wir je geholt haben. Wir kamen hier im Training nicht so richtig in Fahrt. Erst im Nachttraining am Donnerstag kam die Wende. Wir haben ein gutes Renn-Setup, für das wir sehr hart gearbeitet haben. Die Entscheidung, im Qualifying nach zwei, drei Runden auf Slicks zu wechseln, war richtig. Je länger man bei solchen Bedingungen fahren kann, desto besser ist es. Und Marco hat es super umgesetzt. Das war nicht nur eine starke Runde, er ist mehrere gute Runden hintereinander gefahren. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt schnell, haben ein gutes Auto und eine gute Ausgangsposition für das Rennen." Platz in der Regenlotterie ging an die Paarung Weaver / Leitzinger im Lola EX257 AER den dritten Platz erreiche der Champion Audi R8. Somit ist ein spannender Start garantiert. Denn die leichten Lolas haben in Verlauf der Saison bewiesen, dass sie am Start und in der Anfangsphase des Rennens sehr schnell sind den großen Audis die Show stehen können.

Am Rennsonntag schien die Sonne über Braselton und die Fans eiferten dem Start des 1000 Meilen Rennens entgegen, welches um 11:30 Uhr Ortszeit (17:30 Uhr in Deutschland) gestartet wurde.
Marco Werner verlor beim Start einen Platz an James Weaver und J.J. Lehto konnte seinen dritten Platz halten. James Weaver hatte allerdings nicht lange Freunde an seinem zweiten Platz. Er schied bereits nach 6 Runden mit einem Motorbrand aus. Der zweite MG wurde Opfer eines Unfalls. Die beiden Audi R8 Teams hatten somit einen Ihrer Hauptgegner verloren. Die beiden Teams lieferten sich in den ersten beiden Stunden ein spannendes Rennen mit vielen Positionswechseln. Ende der zweiten Stunde wurde es in der Joest Box zum ersten Mal richtig hektisch. Frank Biela schlug bei einem Ausweichmanöver in den berühmt-berüchtigten S-Kurven hart in die Mauer ein und muss den arg havarierten Audi R8 auf drei Rädern an die Box schleppen. An der Box musste die Rechte Vorderradaufhängung, der Hinterwagen, die Frontsplitter und Karosserieteile gewechselt werden um den R8 zurück ins Rennen zu bringen. Die Joest Mannschaft schaffte dies in 10:23 Minuten. Ich wurde abgedrängt, musste hart bremsen, um eine Kollision zu vermeiden", so Frank Biela. "Dabei habe ich mich von der Strecke gedreht. Der Aufprall auf die Mauer war hart. Ich war mir sicher, dass ich es nicht zurück in die Box schaffen würde. Gott sei Dank ging es doch, und die Jungs konnten das Auto reparieren." Allerdings hatte dies einen Rückstand von 10 Runden zu folge. In der vierten Stunde muss beim Champion Audi R8 eine Fronthaube gewechselt werden. Zu diesem Zeitpunkt hat das ADT Champion Racing Team vier Runden Vorsprung auf seine Verfolger. Im Laufe der Zeit mussten beide Titelaspiranten mehrfach an die Box. Das Rennen um den Sieg bleibt somit spannend.

 In Runde 276, der letzten Runde vor dem erreichen der magischen 70 Prozentmarke, lag Marco Werner auf Platz 3 der Wertung als es in der Joest Box erneut hektisch wurde. Marco Werner drehte sich von der Strecke und steckte mit dem Audi R8 im Kiesbett fest. Nach einigen Minuten konnte der Audi R8 durch die Streckenposten aus dem Kiesbett befreit werden und Marco Werner konnte das Rennen fortsetzen. „Das war ein unglaubliches Rennen für uns“, so Werner „Zweimal hätten wir die Meisterschaft fast weggeworfen", schüttelte Werner den Kopf. "Bei mir war die Situation ähnlich wie bei Frank. Ich habe mich in den Kies gebuddelt, weil vor mir zwei andere Autos so stark verlangsamt haben, dass ich das Auto auf der Bremse einfach nicht mehr kontrollieren konnte. Dass das genau in der letzten Runde war, die uns zum Titel gefehlt hat, habe ich erst hinterher erfahren..." Durch den Ausrutscher fällt  Marco Werner auf Rang vier zurück, kann sich im Laufe der achten Stunde aber wieder auf Platz drei nach vorne schieben. In der neunten Stunde muss der Champion R8 erneut außerplanmäßig an die Box, weil ein Sensor einen Druckabfall am linken Hinterreifen meldet. Zudem verlor Frank Biela seine Frontwindschutzscheibe. Der Champion Audi R8 lief in der letzten Stunde wie ein Uhrwerk. Somit konnten sich Johnny Herbert und J.J. Lehto den vierten Saisonsieg einfahren. Platz Zwei ging an den wohl zum letzten Mal eingesetzten Panoz LMP 01/EPP mit den Fahrern Beretta / Saelens / Papis. Platz Drei und somit den Sieg in der Fahrerwertung holten sich trotz der vielen Defekte  während des Rennens, das Infineon Team Joest. 

In der GTS Klasse waren die Prodrive-Ferrari-Teams erneut nicht zu schlagen. Die Ferrari Teams fuhren einen Doppelsieg ein. Jörg Bergmeister und Timo Bernhard gewannen im Alex-Job Porsche die GT Klasse.

Die ALMS Saison 2004 beginnt am 20.03.2003 mit dem 12 Stunden Rennen von Sebring. Die Stadtrennen von Miami und Trois-Rivières sind aus organisatorischen Gründen aus dem Kalender für 2004 gestrichen worden. Dafür sind Lexington, Portland und Lime Rock neu im Kalender. Eine Änderung gibt es ebenfalls beim Saisonfinale. Dieses wird nicht wie gewohnt in Road Atlanta ausgetragen sondern in Laguna Seca. Neuerliche Änderungen des Terminkalenders für die Saison 2004 sind möglich.

Stimmen nach dem Rennen in Road Atlanta: 

Frank Biela: "Man hat heute wieder einmal gesehen, wie schwer es ist, ein Rennen oder eine Meisterschaft zu gewinnen. Für mich heißt es, dass ich Siege in Zukunft umso mehr schätzen werde. Es kann einfach so schnell etwas passieren und daneben gehen. Nach 69,8 Prozent des Rennens dachten wir, dass wir den Titel sicher haben - schon standen wir im Kiesbett. Mir ging es ähnlich: Ich wurde abgedrängt, musste hart bremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Dabei habe ich mich von der Strecke gedreht. Der Aufprall auf die Mauer war hart. Ich war mir sicher, dass ich es nicht zurück in die Box schaffen würde. Gott sei Dank ging es doch, und die Jungs konnten das Auto reparieren. Es tut mir leid für das Team, es war heute mehr drin. Aber ich bin heilfroh, dass wir den Titel geholt haben." 

Ralf Jüttner (Technischer Direktor): "Nach Franks Unfall war das Rennen für uns eigentlich gelaufen. Dass wir trotzdem noch so weit nach vorne gekommen sind, obwohl so viel schief ging, war eine starke Leistung. Ohne die kleinen Pannen wie einem falsch angezeigten Reifenschaden hätten wir sogar die Chance gehabt, noch Zweiter zu werden. Es war ganz eng, hat aber nicht ganz gereicht. Trotzdem sind wir zufrieden, denn wir haben die Meisterschaft gewonnen. Natürlich hätten wir auch das letzte Rennen gerne mitgenommen, aber so konnte das heute nicht funktionieren... Glückwunsch an Champion: Sie sind ein tolles Rennen gefahren und waren das ganze Jahr ein starker Gegner. Sie haben das letzte Rennen gewonnen, wir sind Meister - so hat jeder etwas zu feiern." 

Reinhold Joest (Team Direktor): "So ein Rennen habe ich noch nicht erlebt. Nach Franks Ausrutscher war einfach der Wurm drin. Umso glücklicher sind wir, unser Ziel erreicht zu haben - und das war ganz klar, zum vierten Mal hintereinander die Meisterschaft zu gewinnen. Dass uns der Sieg gelungen ist, freut mich für das ganze Team, aber auch für unseren Partner Audi und Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich. Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit Audi noch viele Erfolge feiern können. Viermal in Folge die ALMS zu gewinnen, hat in der Historie des Joest Teams einen ganz besonderen Stellenwert. Dieser Erfolg macht uns stolz und tut der gesamten Mannschaft gut. Nach dem Ausrutscher von Frank hat sie sich wieder einmal bewährt: Die Reparatur hat nur ganze zehn Minuten und 23 Sekunden in Anspruch genommen. Das war eine tolle Leistung!" 


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